Eröffnung

Nach einem grossen Eröffnungsfest am 9. September im Pfauen starten wir dort am 14. September mit Bertolt Brechts „Die Dreigroschenoper“ in der Regie von Tina Lanik auch in die Spielzeit 2017/18. Brecht zeigt darin die kriminelle Seite und die Doppelmoral des Bürgertums und kritisiert die zweifelhaften Werte einer bürgerlich-kapitalistischen und zutiefst krisenhaften Gesellschaft.
Seit November 2016 gibt es am Berliner Maxim Gorki Theater das aus sechs SchauspielerInnen aus Afghanistan, Syrien und Palästina bestehende Exil Ensemble. Seine erste Arbeit hat es gemeinsam mit der israelischen Regisseurin und Autorin Yael Ronen entwickelt. Aus einer zweiwöchigen Busreise und Recherche durch Deutschland und die Schweiz ist das Stück „Winterreise“ entstanden, das als Koproduktion ab dem 16. September im Pfauen zu erleben sein wird.
„Welches Jahr haben wir gerade?“ der iranischen Autorin Afsane Ehsandar ist eines der Gewinnerstücke des Wettbewerbs der Autorentheatertage am Deutschen Theater Berlin, wo es in der Regie von Mélanie Huber Ende Juni uraufgeführt wird. Die Zürcher Premiere findet dann am 17. September in der Kammer statt.
Im Sommer beendet Frank Castorf seine 25-jährige Intendanz an der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz Berlin, welche das deutschsprachige Theater im letzten Vierteljahrhundert fundamental geprägt hat. Seine erste Regiearbeit nach der Volksbühne, „Die fremde Frau und der Mann unter dem Bett“ nach der Erzählung von Fjodor M. Dostojewski, wird ab dem 28. September in der Box zu erleben sein.
Den Eröffnungsreigen beschliesst „Buddenbrooks“ am 30. September im Pfauen. Regisseur Bastian Kraft inszeniert Thomas Manns Roman in einer eigenen Bühnenfassung, in der – wie im ursprünglichen Entwurf – Hanno als Vertreter der jüngsten Generation der Buddenbrooks die Perspektive prägt.

Uraufführungen/Erstaufführungen

2013 gewann Katja Brunner mit ihrem Debüt „Von den Beinen zu kurz“ den renommierten Mülheimer Dramatikerpreis, im selben Jahr wurde sie in der Kritikerumfrage der Zeitschrift Theater heute zur besten Nachwuchsautorin gewählt. Ihr neues Stück „DEN SCHLÄCHTERN IST KALT“ wird in der Regie von Barbara Falter, deren Zürcher Inszenierung von Ferdinand Schmalz‘ „Der thermale Widerstand“ zu den diesjährigen Mülheimer Theatertagen eigeladen wurde, am 1. November in der Kammer uraufgeführt.
Christoph Marthaler, Schauspielhaus-Intendant von 2000 bis 2004, kombiniert in seinen Theaterabenden auf unvergleichliche Art und Weise zeitgenössische Sprechchöre mit Musik als strukturierendem Prinzip. Mit der Stückentwicklung „Mir nämeds uf öis (Wir nehmen es auf uns)“ kehrt er nun ab dem 14. Dezember in den Pfauen zurück.
„Weltzustand Davos“ ist der vierte und letzte Teil der Serie „Staat 1–4“, mit der sich Rimini Protokoll auf eine Recherche in die Felder ausserhalb dessen begibt, was heute von Nationalstaaten organisiert und kontrolliert werden kann. In der Box installiert Rimini Protokoll dabei ab Januar 2018 eine Modellsimulation des WEF und blickt zurück auf das Wesen der Gewalten, deren Teilung einmal die wesentlichen Mechanismen zur Kontrolle des staatlichen Gefüges strukturieren sollte.
„Hello, Mister MacGuffin!“ ist die mittlerweile achte Arbeit von René Pollesch am Schauspielhaus Zürich, für die er nun zum ersten Mal mit der in Zürich bestens bekannten Bühnenbildnerin Anna Viebrock zusammenarbeitet. Ab März 2018 kehrt Pollesch damit zurück in die Box, wo 2012 „Macht es für euch!“ und 2015 „Love/No Love“ zu sehen waren.
Seit Jahren werden Stücke von Elfriede Jelinek in unterschiedlichsten Regiedeutungen am Schauspielhaus Zürich aufgeführt. Ihr neues Drama „Am Königsweg“, das ab März 2018 in der Regie von Stefan Pucher im Pfauen zu sehen sein wird, behandelt den Ödipus-Mythos, den Jelinek mit der Persona Donald Trumps paraphrasiert, konterkariert und ironisiert: Der „König“, der seine Vormachtstellung den Tätigkeiten als Immobilienhändler verdankt, im Kontext eines Weltsystems, dessen Macht- und Besitzverhältnisse auf Kredit und Schulden beruhen.
Der Zürcher Autor Gerhard Meister schreibt mit „Das grosse Herz des Wolodja Friedmann“ ein Stück über Zürcher Geschichte: Der Autor entwickelt ein Zeitpanorama der historisch verbürgten Zürcher Pension Comi am Vorabend des 2. Weltkrieges. Im Zentrum stehen die Besitzer der Pension Wolodja und Paula Friedmann. Vom jüdischen Emigranten über den Musiker bis hin zum gescheiterten Revolutionär geben sie Verfolgten des Nationalsozialismus Unterschlupf. Die junge Regisseurin Sonja Streifinger inszeniert die Uraufführung im März 2018 in der Kammer.
Basierend auf Motiven der millionenfach gestreamten norwegischen Web-Serie „Sweat Shop – Deadly Fashion“ entwickelt Regisseur Sebastian Nübling in Zusammenarbeit mit jugendlichen DarstellerInnen des jungen theater basel und dem Ensemble des Schauspielhauses im Mai 2018 ein dokumentarisches Theaterstück, wofür der Bühnenbildner Dominic Huber eine Welt vor und hinter dem schillernden Catwalk entwirft und das Publikum durch den Pfauen in den Räumen hinter den Kulissen wandeln lässt.

Weitere Premieren

Wiederholt hat Barbara Frey den leisen Tiefsinn und schreckhaften Abgrund der Komödien der Weltliteratur aufgespürt, von Kleist und Kesselring über Marivaux, Labiche und Molière bis zu Goldoni und Gombrowicz. Diese Auseinandersetzung wird die Schauspielhaus-Intendantin ab dem 21. Oktober im Pfauen mit ihrer Inszenierung von Kleists „Der zerbrochne Krug“ fortsetzen.
Was geschieht mit den überlebenden Troerinnen, als die griechischen Krieger nach zehn Jahren Krieg Troja niedergebrannt haben? Sie werden als Kriegsbeute an die feindlichen Heerführer „verteilt“ und „verschifft“. Auch gegenwärtig sind sie zahlreich, die Stimmen von geschändeten Frauen, die unaussprechliche Gewalt in Worte zu fassen versuchen. In Karin Henkels Inszenierung „BEUTE FRAUEN KRIEG“ nach den „Troerinnen“ von Euripides (Premiere am 2. Dezember in der Halle) werden daher verschiedene, weibliche Stimmen zu Wort kommen. Sie gehen von Fragmenten des ältesten verschriftlichten europäischen Mythos aus und schlagen den Bogen bis in unsere Gegenwart.
„Hundeherz“ nach dem Roman von Michail Bulgakow ist Alvis Hermanis’ siebte Inszenierung am Schauspielhaus Zürich. Der lettische Regisseur setzt damit ab dem 25. Januar 2018 im Pfauen seine Auseinandersetzung mit russischer Literatur in Zürich fort, die er 2008 mit dem Dostojewski-Projekt „Idiot. Anfang des Romans“ begonnen hat.
Ödön von Horváth schrieb seine prognostische, bitterböse und hochkomische Gesellschaftssatire „Zur schönen Aussicht“ im Jahr 1926. Barbara Frey, in deren Regie das Stück im Februar 2018 in der Halle Premiere hat, sieht darin unter anderem „ein zerfallendes Europa und den radikalen Verlust von Vernunft, Mitgefühl und politischer Vision“.
Das Projekt „Max Frisch – Ärger im Paradies“ führt unter der Leitung von Stephan Müller ab April 2018 an Orte in Zürich, die mit Max Frisch in enger Verbindung stehen und widmet sich dem schriftstellerischen Werk, den Reden, Interviews, Briefen, Tagebüchern, Notaten, Filmskizzen und der Prosa des Autors.
„Mass für Mass“ ist Shakespeares späteste und zugleich dunkelste Komödie. Sie spielt in Wien, einem Ort der Laster und Ausschweifungen, wo Ganoven und Zuhälter ihre Geschäfte machen, Mörder zu bemitleiden und Trunkenbolde wie Puffmütter die Sympathieträger sind. In der Regie von Jan Bosse wird das Stück ab April 2018 im Pfauen zu erleben sein.
Dem österreichischen Puppenspieler und Regisseur Nikolaus Habjan gelingt es, seinen Puppen nicht nur Leben einzuhauchen, sondern sie zu eigenständigen Figuren und Charakteren werden zu lassen. In der Box wird er ab Juni 2018 mit „Die Fledermaus“ eine eigene Version der wohl beliebtesten und berühmtesten Operette der Musikgeschichte auf die Bühne bringen.

Familienstück im Pfauen

Mit der deutschsprachigen Erstaufführung „Peter Pan“ von J.M. Barrie in der Fassung von David Greig inszeniert Ingo Berk nach „Die Brüder Löwenherz“ zum zweiten Mal das Familienstück im Pfauen. Er wird dabei – wie schon bei den „Brüdern Löwenherz“ mit dem Puppendesigner und Regisseur Mervyn Millar zusammenarbeiten, der mit seinen fantastischen Puppenkreationen weltweit Erfolge feiert.

Close Up

Die Reihe „Close Up“, bei der seit Beginn der aktuellen Saison Ensemblemitglieder in der Kammer ihre eigenen Arbeiten zeigen, wird auch in der kommenden Saison fortgesetzt: In „Vergessenes Gelächter“ unternehmen Isabelle Menke und der Musiker und Performer Bo Wiget eine Reise in den poetischen Kosmos Céline Arnaulds. Susanne-Marie Wrage macht sich in „Ein Gespenst geht um …“ an eine Re-Lektüre von Marx und Engels. Und Lisa-Katrina Mayer zeigt zusammen mit der Choreografin Salome Schneebeli die Schweizerische Erstaufführung von Sibylle Bergs „Missionen der Schönheit“.

Gastspiele

Auch in der kommenden Spielzeit werden wieder herausragende Gastspiele aus dem In- und Ausland am Schauspielhaus zu sehen sein: So gastieren das Teatr Krasnyi Fackel aus Nowosibirsk mit Timofej Kuljabins Tschechow-Bearbeitung „Drei Schwestern“, das Theater HORA Zürich mit „Bob Dylans 115ter Traum“ und das Burgtheater Wien mit Barbara Freys Inszenierung „Ein europäisches Abendmahl“ mit Texten von Jenny Erpenbeck, Nino Haratischwili, Elfriede Jelinek, Terézia Mora und Sofi Oksanen. Zudem wird „Staat 1“ von Rimini Protokoll ab Ende Juni 2017 im Kunsthaus Zürich zu sehen sein. Neben der Uraufführung „Staat 4“ im Januar 2018 am Schauspielhaus ist zudem geplant, auch die beiden anderen Teile in Zürich zu zeigen.

Junges Schauspielhaus

Das Junge Schauspielhaus zeigt in der kommenden Spielzeit drei Neuinszenierungen: „Meet me“ der norwegischen Dramatikerin Liv Heløe wurde 2016 mit dem 2. Preis des Jugendtheaterpreises Baden-Württemberg sowie dem Kathrin-Türks-Preis ausgezeichnet und war auf der Auswahlliste zum Deutschen Jugendtheaterpreis. In einer Inszenierung von Enrico Beeler wird das Stück ab dem 16. November in der Matchbox zu erleben sein.
Ebenfalls in der Matchbox zeigt der niederländische Autor und Regisseur Theo Fransz ab dem März 2018 ein neues Stück. Damit wird die intensive künstlerische Zusammenarbeit fortgesetzt, die mit der Schweizer Erstaufführung seines Stücks „Du, Du & Ich“ (Regie Daniel Kuschewski) begonnen hat. Als Stückauftrag entstand zwei Jahre später am Jungen Schauspielhaus die Uraufführung von „Rosas Schuh“, die er zusammen mit dem Spielensemble entwickelt und inszeniert hat. In dieser Spielzeit führte er Regie bei „King A“.
Auch der Autor Jan Sobrie war am Jungen Schauspielhaus in den vergangenen Spielzeiten mit verschiedenen Stücken vertreten, jeweils in der Regie von Enrico Beeler. In der neuen Spielzeit arbeitet er sowohl als Autor als auch als Regisseur und schreibt ein Stück, das er im Juni 2018 in der Matchbox selbst zur Uraufführung bringen wird.
Zudem werden aus den vergangenen Spielzeiten die Produktionen „Fratelli“, „Shut up“, „King A“ und „Malala – Mädchen mit Buch“ im Spielplan zu finden sein.

Mehr als Zuschauen

Rund um die Vielfalt von Inszenierungen begleitet das „Mehr als Zuschauen“-Angebot den Spielplan des Schauspielhauses mit zahlreichen Formaten für jede Altersgruppe: KünstlerInnen treffen, die Entstehung einer Inszenierung bis zur Premiere begleiten, Berufsfelder im Theater erkunden, Gesehenes und Erlebtes hinterfragen, sich austauschen und selbst Theater spielen.

Reihen

Als prominente Gesprächsleiter haben schon in den vergangenen Spielzeiten der Autor Lukas Bärfuss und Philosoph Stefan Zweifel in ihren Reihen „Lukas Bärfuss trifft…“ und „Zweifels Zwiegespräche“ die Tradition des Dialogs am Schauspielhaus hochgehalten. Die beiden Reihen werden in der neuen Spielzeit zum regelmässigen Gesprächsformat „Zürcher Gespräche“ im Pfauen zusammengeführt. So verbinden sich die philosophisch-künstlerische Gästeauswahl von Stefan Zweifel und die politisch-gesellschaftliche Perspektive von Lukas Bärfuss zu einer gemeinsamen Reihe mit wechselnden Gastgebern.
Bei „Meet Your Enemy“, einem Disputations-Marathon zum Zwingli-Jahr, wird die Schiffbauhalle im Januar 2018 zu einem vielgestaltigen Disputationsfeld darüber, wie wir zusammenleben wollen. Es entstehen mehrere konzentrierte Runden, in denen in grösseren und kleineren Gruppen debattiert werden kann. Ausserdem sind dank Anlaufpunkten für Expertenbefragungen, Zwischenmoderationen sowie gastronomischen Boxenstopps der Ausdauer und Gesprächsfreude der Teilnehmenden keine Grenzen gesetzt.
Der transdisziplinäre Thinktank Collegium Helveticum behandelt aktuell als Schwerpunktthema „Digital Societies“. Sieben ausgewählte LehrstuhlinhaberInnen der drei Zürcher Hochschulen ETH, Universität und ZHdK richten ihren Blick und ihre Forschung jenseits vorgefasster Denkstile auf diese Fragen der digitalen Zukunft. Vor dem Hintergrund dieser Entwicklungen diskutieren die Forscherinnen und Forscher während der Spielzeit in Zusammenarbeit mit der Dramaturgie und KünstlerInnen des Schauspielhauses über Produktionen aus dem aktuellen Programm.
Shared Spaces: Zur Zukunft des öffentlichen Raums erarbeitet das Gottlieb Duttweiler Institute im Auftrag der Arbeitsgruppe „ZORA – Zentrum Öffentlicher Raum“ des Schweizerischen Städteverbandes und in Zusammenarbeit mit der ETH Zürich eine Studie, die am Schauspielhaus Zürich im Kontext der Beschäftigung mit Vordenkern des öffentlichen Raums – von Huldrych Zwingli bis Max Frisch – diskutiert wird.
Die traditionsreiche Pfauenbühne ist nicht nur für Theater, sondern auch hervorragend für Konzerte geeignet. So unterschiedliche KünstlerInnen wie Sophie Hunger, Element of Crime oder Lambchop haben dies bereits unter Beweis gestellt. Auch in der kommenden Saison ist im Rahmen von pfauen:sounds wieder eine Reihe von Konzerten im Pfauen geplant, die frische Sounds, neue Töne und unkonventionelle Künstler auf die stimmungsvolle Bühne bringt.
Auch das Zürcher Kammerorchester freut sich in seiner zweiten Spielzeit am Schauspielhaus auf vielfältige Begegnungen und knüpft darüber hinaus neue Verbindungen: Zum einen wird unter dem Motto „Art is in Residence“ Musik mit weiteren Kunstformen verbunden, zum anderen geschieht dies alles am Heimplatz im Herzen der Stadt Zürich auf der Pfauenbühne des Schauspielhauses.

Ensemble

Die SchauspielerInnen Dagna Litzenberger Vinet und Nils Kahnwald sowie Anne Eigner, Mitglied des Schauspielstudios, verlassen im Sommer das Schauspielhaus. Neu ins Ensemble kommt der junge Schauspieler Benito Bause. Im Rahmen des Schauspielstudios erhalten zudem die beiden Schauspielstudierenden Sarah Gailer und Robert Rožić für eine Spielzeit die Möglichkeit, praktische Bühnenerfahrung zu sammeln.

Die Abos

Die Abos 2017/18 sind ab sofort an der Theaterkasse oder per Online-Bestellung erhältlich.

Theaterkasse
Rämistrasse 34
8001 Zürich

Öffnungszeiten:
Montag bis Freitag von 11 bis 19 Uhr
Samstag von 14 bis 19 Uhr
Telefon +41 44 258 77 77

Das Spielzeitheft 2017/18

Das neue Spielzeitheft liegt ab sofort in den Foyers im Pfauen und im Schiffbau aus. Sie finden es zudem hier zum Durchblättern auf ISSUU oder können es hier als pdf-Datei herunterladen. Falls Sie Ihr Exemplar per Post erhalten möchten, senden Sie uns bitte eine E-Mail mit Ihrem Namen und Ihrer Adresse an marketing@schauspielhaus.ch.

  • Stadt Zurich
  • Swiss Re
  • Zürcher Kantonalbank
  • Migros